Ja, bei unserer Allgäu-Oberschwaben-Tour 2026 vom Donnerstag, 4. bis Sonntag, 7. Juni war ganz schön was geboten. Sensationelle Landschaften, wechselnde Perspektiven, unerwartet schöner Radweg durch den Bregenzerwald, anstrengende Anstiege, rassige Abfahrten, deftige Speisen und kalte Getränke, herzensgute Gemeinschaft (man schaut ja aufeinander), ansprechende, zentrale Unterkünfte und das Wetter hat es ebenfalls sehr gut mit uns gemeint.
Und das Allerwichtigste: Wir sind am Sonntag nach vier erlebnisreichen Tagen heil und froh wieder in der Heimat angekommen. DANKE DAFÜR!!
Beim Wetter hatte ich mir in der Vorbereitung fast in die Hosen gemacht. Klar nach unserer Erfahrung bei der Aare-Tour, als es uns über Tage ordentlich eingeregnet hatte, ist man sensibel und hofft ja für unsere vier wertvollen Tage auf mindestens sehr gute Verhältnisse.
Und was soll ich sagen: Eigentlich war das Wetter optimal: Nicht zu heiß, nicht zu kalt und von Regen wurden wir komplett verschont, außer nachts halt. Nach dem Besuch der Faßhalle waren die meisten zu erschöpft, um noch mit dem Rad unterwegs zu sein.
Startort war das beschauliche Dorf Hittisau auf rund 800 Metern im Bregenzerwald und bis zum Peak der Tour auf rund 1100 Metern konnte es ja nicht mehr so wild sein. Zuvor wollten wir auf dem Dorfplatz bei der Kirche den Anhänger mit den 20 fachmännisch arretierten Rädern entladen.
So der Plan, einzig: Es war Fronleichnam und für die dazugehörige Prozession, die in vollem Gange war, sperrte die Feuerwehr großräumig ab. Ob es wirklich die Feuerwehr war, ist nicht amtlich. Der Aufzug der ordnenden Herren wirkte etwas aus der Zeit gefallen bis hin zum Helm, der auf dem Haupt einen Spitz hatte. Mit dieser Pickelhaube hatte das Ganze etwas von 1871.
Die abgesperrte Sache machte es für unseren Busfahrer nicht einfacher. Einmal im Kreis fahren, um wieder auf den Heimweg zu kommen war nicht drin. Unser Ingo Bauer hielt uns hier souverän den Rücken frei, fand einen anderen Entladeplatz und das spätere Rückwärtsfahren eines ausgewachsenen Reisebusses mit Anhänger ist für ihn offenbar kein Problem. Vielen Dank dafür und natürlich für die angenehme Anfahrt an den Ingo und die Fa. Vesenmayer.
Wir waren noch nicht einen Meter gefahren, gab es schon die erste Panne. Ein Velo hatte sich bei der Anfahrt – wohlgemerkt im Anhänger - einen Plattfuß eingefangen. Ist halt immer was. War nicht ganz so schlimm. Mit vielen Pump-Einsätzen kam dieses Gefährt ganz gut durch den Feiertag.
Von links: Uli Rotzinger, Armin Mülhaupt, Florian Gantert, Lutz Ungethüm, Martin Ruppelt, Hannes Tröndle,
Thomas Ruppelt, Markus Guggenbühler, Uwe Bartram, Wolfgang Meyer, Peter Ruppelt, Fritz Hauser, Roland Wissler,
Joachim Stoll, Achim Fischer, Christian Wagner, Roland Martin, Lukas Sträsler, Tobias Ungethüm und Karlheinz Gantert.
Gegen 10:00 Uhr waren wir soweit bereit für das Gruppenfoto bevor wir uns auf den Weg machten. Unsere eigene Rad-Prozession kam in Gang. Sie kam etwas früher an der Kirche und dem Brunnen vorbei, sodass wir die eigentliche liturgische Zeremonie der Gläubigen nicht störten.
Offizieller Startpunkt der Tour 2026: Der Brunnen in Hittisau. Auffüllen der Flaschen mit frischem Wasser. Dann ging´s los.
Wir nahmen Fahrt auf in Richtung Osten, ließen das Ortschild von Hittisau endlich hinter uns auf der nicht gerade verkehrsarmen Straße nach Balderschwang, die wir nach kurzer Zeit rechts ab auf den eher ruhigen Wegen nach Sibratsgfäll verließen.
Die 300 Höhenmeter wollten noch gefahren sein, die Steigungsprozent zogen an und man hörte es ordentlich ächzen und rattern unten bei den Kettenschaltungen. Vor allem die Bio-Biker hatten gut zu tun mit der Schaltung und natürlich mit sich selbst. 8% und mehr sowie Gepäck sind halt ein Wort.
Unser Hannes war das erste Mal mit von der Partie und dann gleich ein gefühlt nicht enden wollender Anstieg mit vollem „Kofferraum“ und ohne Elektro-Support. „Wo bin ich auch hier gelandet?“ Es wäre nicht verwunderlich gewesen, wäre ihm hier der eine oder andere Fluch rausgerutscht. Aber nichts dergleichen, er hat einen Gang runtergeschaltet und ist ohne „Muh oder Mäh“ über die Tage alle Steigungen hochgezogen. Und es gab einiges an Wellen und Rampen, die sich nicht einfach weg atmen ließen. Dazu später mehr.
Hannes: Guter Dinge vor der Bergetappe
Die Sausteig-Passhöhe auf 1050m war erreicht. Bei einer Pause sammelte sich das gesprengte Peloton wieder zu einer Gruppe. Die Aussicht auf die Bergwelt der Nagelfluhkette war beeindruckend. Manch einer hatte geglaubt, wir hätten den höchsten Punkt der Tour bereits erreicht. Mitnichten. Zwar ging es ab jetzt schön bergab, allerdings nicht allzu lange. Welle nach Welle sollte uns die nächsten Stunden beschäftigen. So ging das auf wunderbaren Wegen bis ins noch nicht allzu nahe Oberstdorf. Ich hätte den ganzen Tag durch diese wunderbare Landschaft fahren können.
Sausteig-Passhöhe mit Aussicht auf die Bergwelt
Ganz schön was los auf den Radwegen, viele Rennradfahrer, nicht nur im Gegenverkehr. Diesen Pfad kennen offenbar auch andere. Das Hoher-Ifen-Massiv kennt man eher vom Skifahren im Kleinwalsertal her, heute passierten wir es von ganz anderer Seite. Immer mal wieder eine kurze Pause ließ uns innehalten und die Aussicht genießen. Einfach nur schön.
Es wurde nach und nach wärmer. Bis Oberstdorf verloren wir nun an Höhe, die Sonne kam heraus und es fühlte sich nach Frühsommer an. Wir streiften die Breitachklamm, für eine Besichtigung fehlte es etwas an Muse und Zeit. Am Horizont waren die Skischanzen zu erkennen, die uns die Richtung ins Zentrum wiesen.
Es war Zeit für eine große Pause in der Dampfbierbrauerei mit großem Biergarten auch für unsere 20er-Gruppe mitten im Ort. Kässpätzle, Schweinshax´n und andere deftige Spezialitäten sowie hiesiges Gebräu begeisterten die Hungrigen.
Auf dem Weg zur kurzen Besichtigung der Skischanzen fuhren wir langsam durch die Fußgängerzonen von Oberstdorf. Die Schanzen selbst gaben nicht viel her, was alles zugeschlossen. Anders als wie in Garmisch, wo die Schanzen sehr gut zu besichtigen sind. Sei´s drum. Wir musste eh weiter, hatten noch gute 50 Kilometer bis Kempten vor der Brust.
Die großen Steigungen waren für heute vorbei. Es ging dem Illertal-Radweg flussabwärts entlang, gut ausgebaute Naturwege von ordentlicher Breite, links und rechts bewaldet, dass stellenweise der Fluss selbst nicht mehr zu sehen war.
Entlang der Iller am Nachmittag. Die Allgäuer Alpen ließen wir hinter uns
Wir entfernten uns nun zusehends von den verschneiten Allgäuer Alpengipfeln und hatten diese Aussicht leider im Rücken. Die Sonne verschwand langsam und der eine oder andere zog eine Jacke aus dem Gepäck. Bei solchen kurzen Pausen war das Alpenpanorama gut zu sehen.
Nach Sonthofen tat sich der Blick auf den Grünten auf, der „Wächter des Allgäus“ ist 1737m hoch. Kein Riese von einem Berg, aber sehr markant. Karlheinz kennt den Berg gut aus seiner Zeit bei der Bundeswehr in Sonthofen, den er zu Trainingszwecken öfters in sportlicher Manier erobern durfte.
Für mich selbst ist der Grünten so eine Art „Heimwehberg“. Zu Zeiten der Waldshuter Ministrantenlager in den mittleren 70er Jahren im östlichen Allgäu bei Marktoberdorf, weit hinter dem markanten Berg war eben dieser Grünten am westlichen Horizont immer gut zu sehen. Und es war mir klar, dass wir erst bei der Heimreise dort wieder vorbeikommen werden, worauf man sich als kleiner Bub natürlich freute.
Die Iller-Auen haben reichlich Platz und auch mächtige Kiesbänke zeigen, was der Fluß aus den Alpen immer so mitbringt. Wir wechselten die Flußseite und näherten uns rasch dem sehr ansprechenden und belebten Platz in der Innenstadt von Immenstadt. Bei isotonischen Getränken und einigen "Böllen" Eis ließen wir es uns gut gehen und genossen die Pause in diesem Ambiente.
Der Marktplatz in Immenstadt: Lohnend!
Die Wolken wurden dichter. Die Sonnenbrille brauchte es nun nicht mehr. Regen wurde gemeldet für den frühen Abend. Im Peloton kam nun etwas Nervosität auf, ob wir das trocken schaffen können bis Kempten. In der Folge zog sich das Feld wieder auseinander.
Ein Teilnehmer fiel an einer kleinen Steigung mit einer heruntergefallenen Kette zurück, kann passieren. Er käme gleich. Etwas weiter vorne warteten und warteten Joachim, Uwe und Peter. Der Kettenbändiger kam aber nicht. Die Reiseleitung fuhr entgegen und fand den entnervten Kettenbändiger an einer Kreuzung, die zu viele passende Abzweigungen bereit hielt. Auch den Fall konnten wir gemeinsam lösen.
Hinter Immenstadt wurde der Illerradweg etwas offener und man sah mehr vom Umland. Kurz vor Kempten sammelte sich das Peloton erneut für die gemeinsame Zielankunft. Der Schlenker in die Stadtmitte wurde kurzerhand ausgelassen, weil nun ganz dunkle Wolken und aufkommender Wind „Übelstes“ befürchten ließen. Das Hotel ward rasch gefunden und die Versorgung der Räder sowie der Zimmerbezug benötigten etwas Geduld.
90 Minuten, mehr gab es nicht für den Zimmerbezug, duschen, richten und eine kurze Whatsapp an die Liebsten zu Hause. Denn der Tag war noch nicht vorbei. Der abendliche Besuch der zünftigen Fasshalle zu Kempten stand auf dem Programm mit herzhaften Speisen und Getränken. Fünf Minuten Gehzeit, sauber reserviert, Plätze vom Feinsten: So wurde auch der Abend zum Event. Am Nachschub an allen Fronten sollte es ebenfalls nicht mangeln. Sehr schön und genau das Richtige, um die körpereigenen Akkus zu laden.
Das heute Tageswerk ist geschafft: 90 Km, tolle Erlebnisse und jetzt noch eine warme Mahlzeit und ein, zwei Kaltgetränke.
Mit zunehmendem Fortschritt des Abends, knapp 90 Km in den Beinen und teilweise zwei warmen Mahlzeiten im System (mittags UND abends) verabschiedeten sich unsere „Kämpfer“ nach und nach in die Nachtruhe. Am morgigen Freitag wartete ein neuer Tag und der sollte nicht minder spannend werden. Ach ja, auf dem kurzen Heimweg hatte es tatsächlich geregnet. Gute Nacht.
Danken möchte ich an dieser Stelle dem Lutz und Tobias, die federführend bei der Anhängerlösung waren. Karlheinz hatte sich um den Bus und die Fa. Vesenmayer gekümmert. Am Donnerstag selbst bin ich dankbar für die Führungsarbeit und Navigation durch Lukas, Tobias und Thomas. War für mich sehr hilfreich. Vielen herzlichen Dank!
Agil am Berg: Karlheinz und Roland ohne Motor. Chapeau.
Einfach wunderbar zum Radfahren und Genießen.
Achim
Roland
Die schneebedeckten Gipfel werden kleiner...
Start zum letzten Teilstück bis Kempten
Übersichtskarte zur Donnerstags-Etappe
Link zur Tour in Komoot
Unsere Touren-Klassifikation = XL+
"XL+" steht heute für die Strecke von 88 Km und 840 Hm.
| Interne Legende zur Tourengröße |
| S = bis 20 Kilometer | M = bis 50 Kilometer | L = bis 80 KM | XL = bis 110 KM | XXL = größer 110 KM |
| + = größer 500 Höhenmeter | ++ = größer 1000HM | +++ = größer 1500HM | ++++ = größer 2000HM |
